Einige Verfasser von Shkodra übersetzt auf Deutsch
von Hans-Joachim Lanksch



Ledia Dushi wurde 1978 in Shkodër geboren. Sie studierte an der dortigen Universität und hat 1997 und 1999 je einen Lyrikband veröffentlicht. Sie schreibt auch Prosa, Essayistik und Literaturkritik. Im Dezember 1998 wurde ihr vom Kulturministerium der Republik Albanien der hochangesehene "Literaturpreis" für das beste Erstlingswerk des Jahres 1997 verliehen. Die Verleihung dieses Preises löste eine heftige Debatte aus, da Ledia Dushi in der literatursprachlichen Version des nordalbanischen Idioms schreibt und nicht in der 1972 dekretierten Form der "vereinheitlichten" offiziellen Standardsprache, die zu ungefähr 80 Prozent aus dem Idiom des albanischen Südens besteht.
Ledia Dushi
Nach... Mittags
Nach... mittags
wenn die Späne der Geräusche
einsam zurückbleiben
im Wald
der täglich loht,
schwanke ich über Wiegen
deren Kanten
ich nicht kenne.
Weit fort von den Fundamenten
an denen ein Scheiterhaufen
aufgeschichtet war,
wurde das Feuer
mit Eis durchschüttelt
damit nicht alles verbrenne;
doch stark
innen stark
loderte es auf...
niemand verstand es...
Um Mitternacht
wenn mein Hirn
Wildhirn röstet
streicht jemand mit den Fingern
sanft
über den Mond...
Dann
schwinde ich,
kauere mich
in meine Rippen
und beginne
den Tod der Wunden zu meisseln.
Das Leben wurde eine Sichel
Das rindige Blau des Raums
zittert
auf verschorften Zweigen
in Gedanken
an Blätter des April...
Das Schlittern des Schnees
sternverwandelt
auf kummervoller Lippe
des Baums
mit seinem Tau-Hals.
Das Leben
wurde eine Sichel
in deinem Atem...
Ich habe das Mass der Worte gefunden
das gesagt wird
um das Herz
zu mähen.
Der Berg
... ist der Berg
traumhafte Realität,
erinnert mich
an das Verschwinden des Pferdes,
den Tod des verrückten Mädchens...
In meinem Herzen
wurde ein Vogel ermordet;
ich weinte und lachte,
die Träne segelte als Drachen
bis zu den Sternen...
Sooft ich laubig pfeife
schiesst ein Nussbach
aus meinen Schultern;
das Herz
mit sirenenhaften Empfindungen
schwankt hin und her...
In einer Rose,
novembergeboren,
bebt Tag für Tag
das geschenkte Leben des Vogels.
Traum
Der Traum traf vor mir ein
verknüpfte
die Knochen des Bettes
und lachte
höhnisch
über meine Träne...
Es wurde Nacht
auch überm Wald,
die Tiere begannen
einander zu küssen...
Das Herz wurde ausgeschüttelt
über erkalteten Blättern,
in der Höhle
brüteten Kanarienvögel,
erkrankte Gewächse des Dunkels...
Ich bleibe,
nur ich;
in wächsernen Türmen
Kinder
sie schnitzen Schlaf in Bäume...
Schon lange
ergiesst sich die Wolke
und kleidet mich nicht;
der Traum ist das Leben...
Herz im Aquarium
Ich habe keinen Wald
zum freien Lauf
für die Bestie
der Beschwichtigung ...
Das Herz
steckt im Aquarium,
zwischen greisen Blättern
Wasser ...
Ein Wind ...
Ich spüre
den Flug der Dinge
auf der Flucht.
Mein Alter
Das Alter der Einsamkeit
Jahr um Jahr ...
Das Haus
aus
Wurzeln
und Strahlen ...
Ich rufe
die einsamkeit
nie
beim Namen ...
Ich rieche
den verflogenen Duft
der Abwesenheit.
Stilleben
Der Brunnen im Hof
Blut darin ...
Ich und der Regen
sind allein,
verriegelt
im Selbst ...
wir gehen ...
Blumen
haben keine Feiertage,
der Regenbogen
versteckt
in Schachteln ...
Das Stilleben:
Kinder
bauchrissig
und die Gesichter des Monds
auf der Erde.
Verändert
Gerade
kommt die Zeit
um uns zu sehen
in den Schatten des
Freiwerdens
gehüllt ...
Bin ein Wesen ...
mag Dinge
die ich nicht hab ...
Nichts
ist
näher,
ferner
als die Erde ...
Ich gab
die Früchte
Würmern,
die Lilien
den Larven ...
Vielleicht
hat sich
mein Herz verformt ...
(und ich weiss es nicht)
Grünes Wasser
Wenn ich wachse
werde ich
klein sein ...
Grünes Wasser:
das zarteste Gras
auf der Welt,
eine Wiese
gehender
Fische ...
Am Himmel
gehört mir
nichts,
nichts auf der Erde;
im Kopf fühle ich
das Geräusch von Lämmern
auf Stein,
Farben
geklebt
in Augenfrüchte.
-- Aus dem Albanischen übersetzt von Hans-Joachim Lanksch


